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Freiberufliches Arbeiten — Chance oder Zukunft?

Für manchen mag oben Stehendes keine Fragestellung, vielmehr eine Feststellung sein. Die Zukunft des kreativen Marktes hat sich gewandelt. Freelancerverträge sind gängiges Mittel um — fixkostensparend — Manpower in Agenturen zu bringen — soweit keine Neuheit. Doch was bedeutet dies für den »Angestellten«, welche Gefahren, Fallen aber auch Vorteile birgt dieser Zustand? Berichte über die Vorteile gibt es in Massen, die Hindernisse werden oft unterschätzt.
Die Freiheit ruft
Freelancen, das erträumt man sich in jungen Agentur-Jahren: hier und dort hineinschnuppern, mehrere Auftraggeber und damit auch eine Diversität an Einblicken bekommen, spannende Projekte stemmen und in den Genuss eigener Zeiteinteilung kommen. Die Realität sieht manchmal anders aus, gerade wenn man noch »Frischling« ist. Dann steht das freisein eher auf dem Papier, zusätzlich zum tatsächlichen Arbeitsaufwand kommen Dinge wie Umsatzsteuervoranmeldung, eigene Krankenversicherung, Angebots- und Rechnungsstellung sowie Aquise hinzu. Die tatsächliche Arbeitszeit wird damit drastisch reduziert, besser noch: die Arbeitszeit dehnt sich um den entsprechenden Aufwand nach hinten aus. Gerade in Jungen Jahren, ohne die entsprechende Erfahrung wird man von erfahrenen Hasen überrannt, was in geregelten Festanstellungen klar ist, muss in Freelancerverträgen hart erkämpft werden. In diesem Post soll es in kurzer Auflistung um die Dinge gehen, die es zu lernen gilt.
Erste Schritte
- Freiberuflichkeit anmelden. Zu Beginn einer jeden soliden Freiberuflichkeit steht die Anmeldung beim Finanzamt. Es mag seltsam erscheinen aber hier ist das Ausfüllen eines »kleinen« Bogens von Nöten, den man sich beim jeweiligen Finanzamt herunterladen kann, wichtig hierbei: nimmt man die Geschichte ernst, so sollte man sich eine UStIdNr geben lassen — auch wenn dies erheblichen Mehraufwand nach sich zieht.
- Die erste Hilfe. Ein grandioses Buch zur Vermeidung der größten Fehler findet man beim Verlag Hermann Schmidt (Mainz): Parcours
- Professionelle Hilfe. Ein Steuerberater mag im ersten Schritt nicht zwingend notwendig sein, ist jedoch im weiteren Verlauf fast unumgänglich. Je nachdem welche Dinge man sich zutraut, mag bspw. das Anmelden der Umsatzsteuer alleine möglich sein, ein Blick auf die jeweiligen Formulare erklärt meine Bedenken hierzu.
- Sicherheit. Mag eine Rechtsschutzversicherung auch nicht die günstigste sein, im Arbeitsleben (sollte) man nicht drumherumkommen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass man sich generell sicherer fühlt und in brenzligen Situationen um Rat und zur Not auch um Tat fragen kann.
- Künstlersozialkasse (KSK) ist ein Kann, muss aber nicht. Die Vorteile liegen jedoch auf der Hand: — ähnlich der Beamten-Beihilfe — spart der Künstler 50% der monatlichen Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge. Da der Auftraggeber (wenn er ein Verwerter der freiberuflichen Leistungen ist) automatisch KSK-Abgaben abführen muss (ca. 5%), unabhängig davon ob der Auftragnehmer Mitglied der KSK ist, widerfährt dem Kunden-/Auftraggeberverhältnis hierdurch keine Komplizierung.
Angebot und Nachfrage
- Angebote und Rechnungen. Diese beiden wichtigsten Vertreter geschäftlicher Korrespondenz kann man manuell bewerkstelligen, ich würde mich jedoch immer wieder für ein professionelles Programm entscheiden. Wichtig hierbei: auf die Dinge achten, die laut deutschem (oder ausländischem) Recht gelten. Namentlich beispielsweise die durchlaufende Rechnungsnummer, korrekte Anschriften von Auftraggeber und -nehmer, Steuernummern, Leistungszeiträume und Kontoverbindungen samt Inhaber.
- Angebote stellen will gelernt sein, meine Regel ist mittlerweile die Folgende: lieber etwas ausführlicher als zu knapp. Klar verschreckt ein großes Angebot möglicherweise den Kunden — auf der anderen Seite ist es für beide Seiten sinnvoller, die einzelnen Schritte sind hieb- und stichfest definiert. Dadurch generieren sich weniger Missverständnisse, das angestrebte Arbeitsverhältnis wird solider und beiderseits transparenter.
- Loyalität ist nicht immer einfach. Oft bekommt man die Anfragen links und rechts im Abseits oder gar im Strafraum. Hier sollte man sich zur goldenen Regel machen: Loyalität ist der Schlüssel zu regelmäßigem Einkommen, auch für Freibeuter
Pro-Bono vs. Professionalität
- Pro-Bono-Jobs sind das A und O jegliches kreativen Wirkens. Einerseits bringen diese Publicity, andererseits sind dies gerade die Aufträge die meines Erachtens nach am meisten Freude bringen, wenn auch nicht auf dem Kontostand. Wie so oft, die Waage bringt die Entscheidung. Habe ich genug finanzielle Luft um einen Auftrag anzunehmen, der möglicherweise weniger einbringt als Aufwand nach sich zieht? Wenn diese Antwort mit »Ja« beantwortet werden kann, dann sollte man sich fragen welche Kreise der Auftrag ziehen könnte. Sicher gehören hierzu nicht unbedingt Aufträge innerhalb der Verwandschaft, die man »mal eben so machen kann« — vielmehr muss ein Grad der Seriösität und des Verbreitungsgrades sichergestellt sein. Kunst, Kultur, Soziales und mehr sind solche Tätigkeitsfelder.
- Was ist Soziales?. Einer der wichtigsten Punkte die gelernt werden sollten: Arbeit ist Leistung — und Leistung muss sich lohnen. Im Zeitalter in dem jeder auf seinem Rechner Photoshop vorfindet und eine digitale Kamera besitzt ist die Rechtfertigung für eine professionelle Ausführung oftmals schwer. Gerade im Bekanntenkreis. Aber: Jede Arbeit ist Leistung!
Leid, Wasser und Brot
- Zahlungsverzug & Co. Nicht das es zwangsläufig dazu kommen müsste, aber Mahnungen und Gerichtsverfahren werden im Freelancerleben vorkommen. Wichtig ist hierbei sich rechtlich über die Konsequenzen im Klaren zu sein. Google & Co sind sicher eine Hilfe, ersetzen aber nicht einen guten Kontakt zu einem Rechtsanwalt oder eben oben genannte Versicherung.
- Vorauskasse oder Abschlagszahlungen sind nicht die Mittel meiner Wahl um zumindest einen gewissen Teil des Soldes zu bekommen, aber sie können helfen. Ich versuche meinen Kollegen und Auftraggebern zu vertrauen. Sollte das einmal nicht der Fall sein, so darf man sich nicht zu schade sein eine Abschlagszahlung zu vereinbaren. Denn Waren werden fast immer im Vorhinein bezahlt, warum nicht auch Dienstleistungen?
Und doch Freiheit?
Freelancen, das bedeutet nicht nur Nachteile zu haben, im Gegenteil, die Freiheit zu haben den eigenen Tagesablauf nahezu selbst planen zu können ist viel wert. Ich möchte mit diesem Artikel auch keinesfalls davon abraten — aus gegebenem Anlass nur den _frei_willigen unter euch die Chancen und Abgünde aufzeigen.